Geschichte

Die zwei Hauptgründungsmitglieder, die bis heute im Vorstand des Vereins tätig sind,  sind Franz Winkelmann, der als Sozialarbeiter in einem Jugendamt arbeitet und ich, Ulrike Giernalczyk, die als Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis tätig ist. Wir sind beide 61 Jahre alt und miteinander verheiratet.

Seit vielen Jahren arbeiten wir mit Opfern sexueller Gewalt oder Menschen, die anderen traumatischen Erfahrungen ausgeliefert waren. Besonders Kinder sind die Verlierer, wenn sie sexuell missbraucht oder misshandelt wurden. Aber auch Erwachsene leiden oft ihr Leben lang unter den Folgen der Traumatisierungen. Therapeutische und sozialarbeiterische Hilfen allein reichen häufig nicht aus.

So entstand im Mai 1997 die Idee, für Opfer von Gewalt einen Verein zu gründen, um diesen ohne bürokratische Voraussetzungen helfen zu können. Mit einer handvoll Leuten hat es angefangen. Konzeption und Satzung wurden erstellt, der Name gefunden. Der Erzengel Raphael ist der Engel der Helfer und diesen haben wir gebeten, unser Schutzpatron zu sein.

Dazu möchte ich folgende kleine Begebenheit erzählen: Ich habe einmal mit einer schwer traumatisierten Patientin gearbeitet, die während dieser Therapie aus ihrer Dissoziation nicht mehr heraus fand. Sie war nicht mehr ansprechbar, sie wirkte wie weit weg und abgeschaltet. Andere Therapeuten hatten mich davor gewarnt, dass bei der Aufarbeitung der traumatischen Erfahrungen ein Patient dekompensieren könnte und dann in die Psychiatrie eingewiesen werden müsste. Ich war mit meinen Möglichkeiten am Ende und dachte, dass es nun so weit sei. Doch dann habe ich Gott um Hilfe gebeten, ich habe gebetet. Und plötzlich hatte ich das Gefühl, von einem blauen Licht umgeben zu sein. Dieses Licht habe ich dann an die Patientin weitergegeben, die langsam wieder zu sich kam. Sie sagte – als sie wieder klar war – dass da ein blaues Licht gewesen sei. Ich denke, dass es ein Schutzengel war, der uns zu Hilfe kam. Später habe ich einmal gelesen, dass wir alle viele Schutzengel haben, die sich langweilen, weil wir nicht in der Lage sind, sie um Hilfe zu bitten. Und so entstand die Idee, den Verein nach dem Erzengel Raphael zu benennen.

Im Vorfeld der Vereinsgründung wurden Ratschläge eingeholt und erste Tätigkeiten fanden statt, wie z.B. die Durchführung einer Elterngruppe für Eltern, deren Kinder sexuell missbraucht worden waren, oder vorübergehend eine Gruppe für Erwachsene, die in ihrer Kindheit missbraucht worden waren.

Seit dem 21.11.2001 ist der Verein nach einer Gründungsveranstaltung im Amtsgericht Hagen eingetragen, am 02.01.2002 wurde die Gemeinnützigkeit anerkannt.

Der Verein hat bisher viele Höhen und Tiefen erlebt. Mitglieder kamen und gingen. Einigen ging das Thema zu nahe. Ehemalige Opfer die helfen wollten, spürten eigene Überforderung und gingen wieder. Andere hatten Angst, wenn sie öffentlich auftreten, dass man sie als Opfer identifizieren könnte. Einige haben uns eine Zeit lang begleitet und sich anderen Aufgaben zugewendet. Es gehört zu dem Wesen eines Vereins, dass ehrenamtliche Helfer wechseln und das bringt auch Vielfalt mit sich. Wir helfen zu den Zeiten wenn es nötig ist, mit den ehrenamtlichen Menschen die da sind und mit den Fähigkeiten, die diese Menschen mitbringen. Nur das was wir leisten können, tun wir. Es gab Zeiten, da waren wir 20 Mitglieder und Zeiten da waren wir 6 Mitglieder. Unabhängig davon wie viele wir waren, die Idee und damit auch der Verein lebten weiter. Viele unserer Aktionen fanden in guter Atmosphäre statt und waren von vielen guten Umständen begleitet.

Neben den direkten Hilfen für Opfer entwickelte sich über Jahre eine Basartätigkeit, indem zunächst Körnerkissen gemeinsam genäht und gefüllt wurden, später waren es auch Lavendelkissen und dann hat sich auch dies verselbstständigt. Menschen die nicht zum Verein gehören helfen uns durch Strickarbeiten, Basteleien und sind einfach dabei, wenn wir sie brauchen. Im letzten Jahr traf sich z.B. eine Gruppe von Frauen, die bei uns im alten Bauernhaus nähten. Es war ein sehr schöner Tag. Die Produkte werden verkauft und der Gewinn ist eine ständige Einnahmequelle für den Verein. Wir bedanken uns auch häufig mit Lavendel- und Körnerkissen, wenn z.B. ein Steuerberater unsere Jahreserklärung kostenlos macht, uns Räume kostenlos zur Verfügung gestellt oder uns Kalender geschenkt werden.

Daneben entwickelte sich noch eine andere Basartätigkeit.

Ich erzähle häufig die Geschichte, als eine wohlhabende Patientin erklärte, sie habe so viele und noch fast neue Anziehsachen ihrer Kinder und wisse gar nicht, was sie damit tun könne. Praktisch wie ich nun einmal bin sagte ich ihr, sie solle sie mitbringen, und so kamen die ersten zwei blauen Säcke bei uns an. Ich fragte dann zwei andere Patientinnen, von denen ich wusste, dass sie Kinder in ähnlichem Alter hatten und damals von der Sozialhilfe lebten und die freuten sich sehr, für ihre Kinder gute Anziehsachen zu bekommen. Und so entwickelte sich im Laufe der Zeit, dass immer mehr Menschen uns Sachen (Kleidung, Haushaltsgegenstände, Kleinmöbel) brachten und wir diese inzwischen zwei Mal im Jahr in einem großen Basar für „Menschen mit Bedarf“ an diese kostenlos weitergeben.

Es entwickelten sich Abende für Eltern und Erzieher, die über die Folgen, die Erkennungsmöglichkeiten und die Symptome bei sexuellem Kindesmissbrauch informiert wurden. Hier arbeiten wir seit vielen Jahren eng mit dem Kinderschutzbund in Hagen zusammen, indem wir die Räume für die Veranstaltungen benutzen dürfen und tatkräftig unterstützt werden. Öffentlichkeitsarbeit findet immer mal wieder statt, durch die Teilnahme an Kundgebungen oder Zeitungsartikel.

Es gibt wenige, aber treue Spender. Und es gibt immer wieder Bedarf von traumatisierten Menschen, die ohne Absicht in schwierige finanzielle Notsituationen geraten. Manchmal helfen wir direkt mit finanzieller Zuwendung aus, manchmal verleihen wir Geld. Aber immer nur in dem Rahmen, der uns zur Verfügung steht.

Im Laufe der Zeit haben wir einige Aktivitäten mit Kindern durchgeführt, meist mit sexuell missbrauchten Kinder alleinerziehender Mütter, die sich keinen Urlaub leisten können. Mit diesen „kleinen Familien“ haben wir einen Tag auf einem Bauernhof durchgeführt, einen Zirkustag in ländlich schöner Umgebung und einen Ausflug in ein nahegelegens Museum. Als die Kassen voll waren, reichte das Geld für einen Ausflug in den Panoramapark im Sauerland, der für alle ein schönes Erlebnis darstellte.

Wir sind gespannt wie die gemeinsame weitere Entwicklung sein wird.