25 Jahre Verein Raphael –
Alles ehrenamtlich und dank vieler Spenden möglich
Sehr geehrte Damen und Herren und liebe Frau Köppen
Darf ich mich vorstellen, mein Name Ulrike Giernalczyk, als erste Vorsitzende des Vereins Raphael möchte ich mich zunächst bei der Stadt Hagen, vertreten durch die stellvertretende Bürgermeisterin Frau Köppen, ganz herzlich dafür bedanken, dass wir unser 25 jähriges Bestehen in den Räumen des Rathauses feiern dürfen.
Mein Dank gilt auch den Mitarbeitern/innen der Stadt Hagen für ihr Engagement und ihre Arbeit sowie den Mitgliedern des Vereins Raphael und den vielen ehrenamtlichen Helfern, ohne die diese Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre. Ein besonderer Dank gilt Monika Scheer-Mühlenweg, 2. Vorsitzende des Vereins, für die Gestaltung unserer Plakate.
Und ein weiterer Dank gilt auch Bodie Henryk Ambrush, der uns 2 Kunstwerke zur Verfügung gestellt hat und den einige kennen, denn er hat vor Jahren in Hagen mutige Kundgebungen zu dem Thema Missbrauch organisiert.
Wir haben versucht die Geschichte des Vereins in Form von Plakaten darzustellen und ich glaube, dass diese einen gelungenen Einblick in unsere 25 jährige Tätigkeit geben.
Die Idee
einen Verein zu gründen, um Opfern von sexuellem Missbrauch zu helfen, entstand schon im Jahr 1997. Sowohl mein Mann, Franz Winkelmann als auch ich hatten beruflich sehr viel mit traumatisierten Menschen und besonders mit Kindern zu tun, die sexuell missbraucht worden waren und wir fanden beide, dass hier häufig besondere und unbürokratische Formen der Hilfe fehlen. Es hat dann ein paar Jahre gedauert, bis dann der Verein endgültig im Jahr 2001 offiziell gegründet worden war.
Das Entsetzen ist groß und eine große Welle von Mitgefühl
Wenn wir von sexuellem Missbrauch an Kindern durch die Medien oder durch Bekannte etwas hören, dann ist das Entsetzen groß und es gibt immer eine große Welle von Mitgefühl für die betroffenen Kinder. Und das ist gut so, denn diese Kinder leiden oft im Stillen und es dauert häufig lange bis Erwachsene bemerken, dass mit diesem Kind etwas nicht stimmt. Manchmal wird der Missbrauch auch durch andere Ereignisse aufgedeckt, was ein Segen ist. Manchmal bleibt er aber auch lange unentdeckt.
Der Missbrauch ist ein so schwieriges Thema, weil er immer mit einem Syndrom von Geheimhaltung verbunden ist. Die Täter und Täterinnen sorgen mit unterschiedlichen Mitteln dafür, dass ein Kind nichts sagen kann und so findet das Leiden auch meist im Verborgenen statt. Der Missbrauch ist auch deswegen ein so schwieriges Thema, weil er emotional belastend ist und das Wissen, was Menschen Kindern antun können, uns in der Regel tief bewegt.
Ich arbeite als Psychologische Psychotherapeutin …
seit vielen Jahren mit Missbrauchsopfern und erlebe immer wieder, dass Menschen, die als Kinder sexuell missbraucht wurden, häufig ihr Leben lang unter den Folgen leiden. Je nach Schwere des Missbrauchs, dem Alter, wann er begann, die Dauer, der Art der Geheimhaltung und der Nähe zu dem Täter, den Täterinnen entwickeln Kinder unterschiedliche Symptome, die das gesamte Leben dieser Menschen, auch wenn sie dann erwachsen sind, bestimmen.
Es gibt eine Reihe von Kindern, die sexuell missbraucht worden waren und die ich zu Beginn meiner Arbeit therapeutisch behandelte, die heute als junge Erwachsene wieder kommen und mir ihre Symptome schildern. Kinder mit einem annehmenden und geordneten sozialen Umfeld scheinen bessere Chancen zu haben, dass die Folgen aufgefangen werden, als Kinder, die in schwierigen sozialen Verhältnissen groß werden.
Ich selber wurde als Kind sexuell missbraucht und kann die Leiden der Kinder, aber auch die Folgen, unter denen Erwachsene leiden, gut nachempfinden. Ich bin dankbar, dass dieses Thema immer stärker in die Öffentlichkeit rückt und immer mehr Menschen den Mut haben, es aus der Tabuzone heraus zu holen. Und Sie Alle tragen schon mit dem Besuch dieser Veranstaltung dazu bei, das Thema publik zu machen. Dafür danke ich Ihnen.
Die Erkenntnis kam Früh
Schon früh haben wir erkannt, dass es wichtig ist bei großem Leiden positive Dinge entgegenzusetzen. Das chinesische Sprichwort „Es ist besser, eine Kerze anzuzünden als über die Dunkelheit zu schimpfen“ ist auch für unsere Thematik von großer Bedeutung. Den Namen des Vereins fanden wir problemlos. Der Erzengel Raphael soll unser Schutz sein. Er hat heilende Energie und ist auch der Helfer der Helfer.
Ehrenamtlich und Engagiert
Der Verein Raphael setzt sich aus ehrenamtlich engagierten Menschen zusammen, die Menschen, die sexuelle Missbrauchshandlungen erlebt haben, unterstützen möchten. Aber auch Betroffene, die andere traumatische Erfahrungen gemacht haben, können beim Verein Beistand finden.
Der Verein hat immer je nach den Fähigkeiten der Mitglieder unterschiedliche Aktivitäten entwickelt. Viel Freude hat uns immer das gemeinsame Tun bereitet. Viel Freude haben wir auch empfunden, wenn einzelne Hilfen erfolgreich waren und wenn wir mit unserer Tätigkeit anderen Freude bereiten konnten.
Selbsthilfegruppen während der Gründungsphase
Bereits in der Phase der Gründung hatten wir 2 Selbsthilfegruppen durchgeführt. Eine für Eltern, deren Kinder sexuell missbraucht worden waren und eine andere für Erwachsene, die in ihrer Kindheit missbraucht worden waren. Diese Gruppen waren sehr anstrengend und haben mich als alleinige Leiterin zeitlich aber auch psychisch überfordert, so dass wir dies nicht weiter fortgesetzt haben.
Körner- und Lavendelkissen
Gemeinsames Tun macht Freude und so haben wir nach und nach Körner- und Lavendelkissen produziert, es kamen kleine Schutzengel dazu oder selbstgestrickte Socken. Bis heute näht eine Helferin wunderschöne Taschen und Kissen. Und auch hier gilt das Motto, nur das zu tun, was wir leisten können. Einen Teil unserer Basartätigkeit können Sie auch hier bewundern und erwerben. Die Körnerkissen sind zu einer Art Markenzeichen geworden und sie werden auch an Menschen, die Wärme benötigen, verschenkt.
Freizeitaktivitäten und Ausflüge
Als wir „noch jünger“ waren haben wir sehr viele Freizeitaktivitäten und Ausflüge organisiert für betroffene Kinder und auch Erwachsene, in der Regel für Familien, die sich keinen Urlaub leisten können. Ein Ausflug mit dem Planwagen in das Wildgehege Mesekendahl oder ein Zoobesuch in den Allwetterzoo nach Münster, Besuch des Kettlerhofes, um nur einige Beispiele zu nennen sind für einige betroffene Familien wie ein Tag Urlaub, den sie sich sonst nicht leisten können. Diese Unternehmungen konnten wir gut bildlich darstellen – wie Sie an den Plakaten sehen können.
Basartätigkeit
Viele Jahre hatte der Verein auch eine Basartätigkeit. Es begann mit gebrauchten Anziehsachen, dann kamen Haushaltsgegenständen, Spielzeug, Kleinmöbel dazu. Zunächst hatten wir bestimmte Basartage, wo wir in meiner Praxis die gespendeten Dinge aufbauten und wieder abbauten. Später bekamen wir einen großen Raum oberhalb der Praxis in einer Rechtsanwaltskanzlei zur Verfügung gestellt und noch später fuhren wir auf Flohmärkte und machten dabei den Verein bekannt.
Es war erstaunlich, wie viele Menschen gut erhaltene Spenden abgaben, die wir dann an „Betroffene“ weitergeben konnten. Eine Menge Arbeit und die Notwendigkeit von viel Lagerplatz. Der beste Nebeneffekt dieser Basartätigkeit war jedoch das gemeinsame Tun von ehrenamtlichen Helfern und betroffenen Menschen. Diese Basartätigkeit haben wir dann aus praktischen aber auch altersbedingten Gründen aufgegeben
Sehr viele Einzelfallhilfe über die Jahre
Was sich nicht so gut auf Plakaten darstellen ließ ist die Einzelfallhilfe. Emotionale Unterstützung, Begleitung bei Behördengängen, Vermittlung von Hilfen, Hilfe bei Umzügen, finanzielle Unterstützung durch Leihgaben, Unterstützung von Kindern bei Freizeitaktivitäten, Beratung und in letzter Zeit die Beantwortung vieler Online Anfragen, die stark angewachsen sind, seitdem wir die Homepage haben.
Öffentlichkeitsarbeit
Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Öffentlichkeitsarbeit. Wir haben sehr viele Vorträge gehalten, um Erwachsene mit der Thematik des sexuellen Kindesmissbrauchs vertraut zu machen, aufzuklären. Es erschienen Zeitungsartikel oder es gab auch schon Fernsehauftritte. Eigene Events wurden organisiert wie z.B. in der VHS wo ein sexuell missbrauchter Mann von seinen Leiden als Kind berichtete, da er an Pädophilenkreise verkauft wurde.
In der letzten Zeit haben wir uns vielfach damit beschäftigt, dass die derzeitige Handhabung der Glaubwürdigkeit von Opfern bei der Begutachtung sehr kritisch zu sehen ist und dringend verändert werden müsste. Zunächst hatten wir geplant, einen Event dazu zu veranstalten, aber dann haben wir gemerkt, dass wir die Öffentlichkeit inzwischen besser erreichen können, wenn wir einen Film dazu drehen.
Dieser Film ist fast fertig und wir freuen uns, wenn wir demnächst eine Veranstaltung machen dürfen, um diesen Film vorzustellen. Er handelt davon, dass Kindern, die sexuell missbraucht worden sind, ganz häufig die Glaubwürdigkeit der Aussagen abgesprochen wird. Opfer bekommen teils vom Versorgungsamt keine Opferentschädigung , weil man die Kriterien, die dazu führen, einen Menschen strafrechtlich zu verurteilen, auch in solchen Fällen anwendet.
Mia Minoris, ehemaliges Mitglied und ihre Tochter sind die Hauptregisseure dieses Filmes und stellen ihn gerade fertig. Wir werden zu dieser Veranstaltung rechtzeitig einladen.
Ich möchte mich ganz herzlich für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Interesse bedanken und wünsche Allen einen angenehmen Abend.
